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Mittwoch, 22. Juli 2026
Vorsicht vor Bildbearbeitung mit KI-Werkzeugen!

In einem aktuellen Kommentar in der Fachzeitschrift Nature wird vor der Verbreitung von KI-Bildern auf Citizen-Science-Plattformen gewarnt. Es wurde auch in österreichischen Medien dazu berichtet (https://science.orf.at/stories/3236572/). Hier denkt man vielleicht zunächst an gänzlich KI-generierte Bilder von Arten, die für bewusste Falschmeldungen verwendet werden. Von einer solchen Absicht gehen wir im Benutzer:innen-Kreis von ornitho.at nicht aus. Vor einem anderen, subtileren Anwendungsfall möchten wir allerdings eindringlich warnen:

KI-Werkzeuge finden zunehmend auch in der Bildbearbeitung Anwendung und sind nicht immer klar als solche zu erkennen. Wird ein Foto in guter Absicht mit solchen Bildbearbeitungswerkzeugen "verbessert", kann es durch die Natur dieser generativen KI-Methoden grundlegend verfälscht oder entstellt werden. Hierzu eine kurze Erklärung des Unterschieds zur herkömmlichen Bildbearbeitung:

  • Herkömmliche Bildbearbeitung: die Bildpunkte (Pixel) bleiben im Wesentlichen erhalten, es werden vor allem Helligkeits- und Farbwerte angepasst – das Bild wird aufgehellt, farbgesättigt, geschärft etc.
  • KI-Bildbearbeitung: das Originalbild wird "interpretiert" und Bildbereiche oder Details von Grund auf neu generiert – es entsteht ein neues Bild auf Grundlage des Originals. Bei diesem Schritt kann das KI-Werkzeug theoretisch jede gewünschte Änderung durchführen (Objekte hinzufügen/entfernen, das Bild nachschärfen, entrauschen oder einfach "verschönern"), es können aber auch ungewünschte Änderungen passieren oder Artefakte entstehen.

Im zitierten Beispiel ist beim vermeintlichen brasilianischen Erstnachweis einer nordamerikanischen Art (Rotflügelstärling) auf der Citizen-Science-Plattform iNaturalist aufgedeckt worden, dass es sich um ein in guter Absicht KI-bearbeitetes Foto einer einheimischen Art (Epaulettenpirol) handelte. Bei der Bearbeitung des Bildes hat das KI-Werkzeug Gefiedermerkmale "dazuerfunden", die den Vogel in die andere Art verwandelten. Im Trainingsmaterial der verwendeten KI-Anwendung wird die nordamerikanische Art weitaus häufiger vorgekommen sein, weshalb sie den Vogel als Rotflügelstärling "interpretiert" hat.

Der Hauptzweck von Fotos auf ornitho.at ist die Dokumentation von Nachweisen. Wir nehmen dieses Beispiel zum Anlass und möchten darauf hinweisen, dass durch generative KI-Methoden verfälschte Bilder für die Ziele von ornitho.at gänzlich unbrauchbar sind. Wir raten deshalb eindringlich von der Verwendung solcher Werkzeuge ab! Auf einer Citizen-Science-Plattform wie ornitho.at ist ein nicht perfektes aber echtes Dokumentationsfoto IMMER einem "tollen" aber verfälschten Foto vorzuziehen!

Wir bitten Sie also, bei der Bearbeitung Ihrer Fotos zu hinterfragen, ob KI-Werkzeuge im Spiel sein könnten und, wenn ja, von der Verwendung dieser Programme abzusehen. Abgesehen davon bitten wir auch generell bei der Bearbeitung von Fotos um Zurückhaltung – auch eine zu starke Bearbeitung mit "herkömmlichen" Methoden kann das Ziel der Fotodokumentation verfälschen.

 

Foto: KI-generierte oder bearbeitete, vermeintliche Blaumeise, © Alexas_Fotos, Pixabay

aufgegeben von Benjamin Seaman
 
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